Wir sind alle wahnsinnig froh, dass die Zeiten vorbei sind, da das Internet sich fast übergeben musste aufgrund der Unmenge an sinnlosen und/oder schlecht präsentierten Produkten und noch schlechterem E-Commerce Content auf unterirdischen Webseiten ohne Navigation. Klar, ganz frei davon sind wir noch lange nicht. Aber wir sind - wenn auch langsamer Sohle - auf dem Weg.

Die Superwelle Content Marketing, oder vielmehr der Auslöser dieser Welle, provoziert ganz bestimmte Gedanken. Denn wieso hat diese Bewegung einen solchen Impact auf die Werbewelt, auf Unternehmen und Marken und nun auch auf Onlineshops? Klar, zu viel von etwas macht blind für dieses etwas. Zu viel Werbung hat uns unempflindlich gemacht für die dahinterstehenden Botschaften. Die Botschaften haben sich beinah kannibalisiert.  Aber die Digitalisierung und die damit verbundenen endlosen Kommunikationsmöglichkeiten haben zudem aufgeklärt: Jede Bewertung, jede Rezension, jeder Hashtag und jeder Post formuliert ein Wort: MITSPRACHE. Mit jedem neuen Gedanken eines jeden Marketers und E-Commerclers darüber, wie das zu bewerbende Produkt in der realen Welt funktioniert, inwiefern es sinnvoll und nützlich ist und welche Vorteile die Menschheit davon hat, dass es dieses Produkt gibt, formt eine (hoffentlich bald) bessere (Werbe-) Welt. Langsam, ja. Aber stetig.

Um diesen großartigen Prozeß mit Leibeskräften zu unterstützen, teilen wir mit Freuden unsere Gedanken, wie man sich Gedanken macht. Denn wir freuen uns wenn Shopbetreiber, Onlinehändler und alle, die diese Aufregung mit uns teilen, bei der Ideenfindung für tollen Content von neuen Impulse zehren können.

Ideenfindung für E-Commerce Content: Content Audit & Brainstorm

Eines noch: Bevor wir uns in die Welt der wilden Ideenfindung stürzen: E-Commerce Content Marketing macht man nicht einfach so oder irgendwie nebenbei. Richtig gut wird es nur mit einer hieb- und stichfesten Strategie. Keine Angst, dass ist nicht schwer. Definieren Sie Ziele, kennen Sie die Menschen, die Ihre Produkte nutzen ganz genau und seien Sie zudem selbstreflektiert über die Stärken und Schwächen Ihres Produktes und Ihres Unternehmens. Denn einfach irgendwelche Inhalte um ein Produkt herum kreieren, ist nicht zielführend. Content Marketing ist die naive und darin nartürlich großartige Vorhut für das was jetzt kommt: Strategisches Content Marketing. Diese unabdingbare Herangehensweise ist ein Thema für sich. Es lohnt sich in diesem Zusammenhang unbedingt ein Blick auf das von Mirko Lange kreierte Framework. Meines Erachtens nach das must-have für alle Content Marketer im E-Commerce.13234622_10154902934717846_1736735718_o (1)-1

Geniales Framework von Mirko Lange: Mit dieser Herangehensweise wird Content zum echten Durchbruch. Mehr: http://de.slideshare.net/talkabout/150215-die-methode

Content Audit: Wenn Sie wissen, was Ihr E-Commerce Content für Sie als Unternehmen erreichen soll und für wen Sie eigentlich Content produzieren, fangen Sie an zu überlegen, welche Geschichten und Themen Sie mit Ihrer Community teilen können. Content erspürt, wenn er wirklich gut ist, die Essenz Ihrer Kunden und Ihres Produktes und inspiriert Menschen bestenfalls. Also fragen Sie sich zunächst, warum Kunden bisher bei Ihnen gekauft haben (oder auch warum nicht). Sie besitzen ziemlich wahrscheinlich bereits einige verwertbare Inhalte, die sich mit ein bisschen Feinschliff in hoch performende E-Commerce Content-Kampagnen übersetzen lassen.

1. Nutzen Sie positive (und negative) Produkt-Bewertungen

Viele Menschen lieben es, eine Stimme zu haben. Gerade online, da die Grenze zwischen Sichtbarkeit und Anonymität fließend ist, nutzen wir diese Stimme um uns über die Produkte und Angebote da draußen auszulassen. Positiv wie negativ. Der Erfolg des Giganten Amazon ist übrigens zu einem riesigen Anteil auf die frühe Adaption des Mitsprache-Prinzips zurückzuführen. Amazon war einer der ersten Onlinehändler, der seine Kunden dazu animierte, gekaufte Artikel zu beurteilen. Also: etablieren Sie Kundenbewertungslösungen in Ihren Shop.

Kundenbewertungen sind eines der machtvollsten Instrumente für E-Commerce Content Marketing. Und das hört nicht bei Sternchen auf! Kundenbewertungen sind eines der machtvollsten Instrumente im E-Commerce. Und das hört nicht bei Sternchen auf!
 

Durchforsten Sie zudem Ihre Mails und Dokumentationen, die sich im Kundenservice angesammelt haben. Nutzen Sie den Input, den Sie dort finden und lassen Sie die Komplimente Ihrer Kunden in Ihren Produktbeschreibungen sprechen. So werden sie lebendiger.

Sie können und sollten auch negative Aspekte im Austausch Ihrer Kunden mit Ihnen genau prüfen. Eventuell können Sie Kritikpunkte ebenfalls in den Beschreibungen nutzen, indem Sie darüber aufklären, wie Sie diese Probleme beheben.

2. Erzählen Sie Geschichten über die Entstehung Ihrer Produkte.

Haben Sie Produktionsprozesse definiert? Nutzen Sie Dokumentationen für einzelne Stationen eines Produktes von dessen “Geburt” bis hin zum Kunden? All das kann Inspirationsquelle sein, denn überall verbirgt sich eine Geschichte oder Anekdote. Teilen Sie diese Prozesse mit anderen Menschen so erleichtern Sie sich das Leben enorm: Zum Einen müssen Sie sich nichts Kompliziertes ausdenken, wenn Sie ganz einfach die Realitäten nutzen. Zum anderen werden Sie so transparenter, und Transparenz ist im unternehmerischen Sinne etwas, was wir uns alle auf die Fahne schreiben sollten. Snowden und die Panama Papers - mehr muss ich denke ich gar nicht sagen.

3. Teilen Sie alles!

Wie viel Material (ja, Content) so ein Unternehmen eigentlich jeden Tag produziert ist den wenigsten bewusst. Doch jedes Meeting-Protokoll, jedes Fotoshooting, jede Mail, jedes Briefing und jede Dokumentation, Anleitung und Fahrtskizze: Alles ist Content und all das ist nutzbar. Warum das für Kunden interessant sein soll? Weil Kunden Menschen sind, genau wie Sie. Natürlich wird sich für die technische Intergration Ihres neues CRMs nicht die Mehrheit interessieren. Die kleinen, menschlichen Momente, die während einer solchen Integration aber passieren können, macht sie real und das interessiert schon eher. Diese kleinen Anekdoten machen Sie greifbar. Sie werden vielleicht gar  zu “einem von uns”. Zeigen Sie sich. Keine Scheu. Sie können beispielsweise die ausrangierten Bilder und Outtakes Ihres letzten Fotoshootings auf Instagram teilen. Sie könnten eine Geschichte über die “Fifty Shades of Lieferanten” machen oder folgen Sie dem Beispiel von Club Monaco. Kurz: Nutzen Sie, was Sie haben.

 

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UCG und Fotoseite von Club Monaco

 

Content Brainstorm

Nachdem Sie Ihr Unternehmen bei der Suche nach inspirierenden Geschichten und Inhalten auf den Kopf gestellt haben, können Sie sich neuen Ideen zuwenden.

Yeah! Kreativzeit!

Gehen Sie sowohl frei als auch strategisch an die Themenfindung heran. Frei bedeutet hier: alles was Ihnen einfällt, jedes Thema ist erlaubt. Sie können (und werden) im Nachgang immer noch aussortieren. Versuchen Sie zunächst Ihre Gedanken durch das selbe Universum wandern zu lassen, in dem sich auch Ihre Zielgruppe bewegt. Wechseln Sie Ihre Perspektive und versuchen Sie nicht von Standpunkt der Vermarktung oder des Produktes zu denken. Schreiben Sie Ihre Ideen auf oder nehmen Sie sich und Ihre Kollegen auf, wenn Sie auf Themenreise sind. Hier einige Inspirationshilfen:

1. Lieber keine subjektive Leidenschaften? Doch, na klar!

Ganz egal in welcher Branche Sie sind, welche Produkte Ihr Onlineshop anbietet oder welchen Service: Wenn es um inspirierenden E-Commerce Content geht, können Sie als Persönlichkeit richtig viel dazu beitragen, die Kunden Ihres Unternehmens zu begeistern. Wie? Total einfach: Wenn Sie Themen für zukünftigen Content planen, denken Sie an Ihre Lieblingsbeschäftigung und bauen Sie eine Story drum herum. Zum Beispiel: Sie verkaufen elektronisches Zubehör und lieben Filme? Super. Dann könnte Ihr nächster Beitrag folgender sein:

10 großartige Filme, die zeigen das Gadgets Lebensretter sind

Oder: Sie machen in Mode und gehen abends gerne zum Feierabendbier in Ihre Stammkneipe? Wie wäre es dann mit folgender Idee:

7 Outfits, die zu Deinem Lieblingsdrink passen

Das Prinzip ist sehr machtvoll und generiert Ideen ohne Ende. Nutzen Sie die Formel

"etwas, was ich ganz privat mag + Produkt / Branche / Service = Neuer Blickwinkel"

Manchmal kann es hilfreich sein, privates und berufliches zu verbinden: Finden Sie neue Themen für E-Commerce Content Marketing indem Sie Ihr Hobby und Ihr Produkt zueinander in Verbindung setzen
Manchmal kann es hilfreich sein, privates und berufliches zu verbinden: Finden Sie neue E-Commerce Content Themen indem Sie Ihr Hobby und Ihr Produkt zueinander in Verbindung setzen

2. Nicht nur hier spielt die Musik

Versuchen Sie unbedingt auch mal abseits der eingetretenen Pfade zu wandeln. Auch wenn das jetzt für manche absurd klingt, ich sage es dennoch:

"Gehen Sie OFFLINE. Gehen Sie raus, hören Sie zu, sehen Sie sich um."

Content Brainstorm sollte permanent ablaufen, im Hintergrund von all den Dingen, die man den ganzen Tag tut. Gerade im B2C Bereich können U-Bahn Gespräche, Parkspaziergangsphilosophien oder Supermarktkassentratsch großartige Ideenpools sein. Seien Sie ruhig ein auditiver Spanner - weiß ja niemand.

3. Wer nicht fragt, bleibt dumm

Viele von uns gehen aus irgendeinen Grund davon aus, dass Blogbetrieber, Internetpräsenz-Besitzer und E-Commerce Content Marketer auf eine beinah übersinnliche Weise erspüren, was die Leute vor dem Rechner interessiert, was Sie lesen, hören und sehen wollen. Natürlich ist das einigermaßen größenwahnsinning, wenn man bedenkt wie viele unterschiedliche und sich permanent rasend schnell wandelnde Hypes es da draußen gibt. Zudem wollen wir Marketer (jedenfalls die guten) mit Ihrer Arbeit Probleme minimieren und Lösungen schaffen. Wie soll das aber gehen, wenn wir gar nicht genau wissen, was für die Menschen, an die sich der E-Commerce Content richtet, nun wirklich genau ein Problem darstellt? Monitoringtools, Social Media oder Tools wie Google Trends geben einen ersten Eindruck, klar. Aber nicht alles wird online besprochen. Die Devise lautet also: fragen! Nutzen Sie Ihre Kanäle, wenn Sie diese bereits aufgebaut haben und fragen Sie ganz direkt, was Ihre Fans gerne hätten. Sie können auch Mitarbeiter, Freunde und Familie fragen. Erweitern Sie den Bereich Ihrer Vorstellungskraft indem Sie die Vorstellungen anderer mit einbeziehen. Simple as that.

Im nächsten Schritt können Sie dann strategisches Brainstorming betreiben. Das bedeutet, dass Sie Themen beispielsweise an bestimmten Daten oder Ereignissen ausrichten, die für Ihre Produktkategorie, für Sie als Unternehmen oder für Ihre Zielgruppe besonders relevant sind (Bsp. Fashionweek in der Modebranche, Feiertage, Weihnachten, branchenspezifische Events, Festivals, Influencer-Events usw.)

Finden Sie zudem mithilfe von Monitoringtools heraus, worüber Ihre Zielgruppe online spricht. Welche Blogs sie lesen, welche Themen sie in den sozialen Medien diskutieren und wie sie über Ihre Marke sprechen. Folgen Sie wichtigen Influencern in Ihrem Sektor. Fragen Sie Ihre Mitarbeiter, was sie im Zusammenhang mit Ihren Produkten interessiert. Blicken Sie über den Tellerrand: Finden Sie beispielsweise heraus, was innerhalb Ihrer Zielgruppe das absolute Fashion Food ist. Welche Musik sie hört und welche Magazine sie liest. Für welche Personen interessiert sie sich?

In today’s world you have to interact. You can’t really be some difficult, shy person who is not able to look somebody in the face. You have to present yourself. You have to know how to talk about your vision, your focus, and what you believe in. If you can’t be passionate about who you are and what you are doing: how can they [your audience] be?

– Anna Wintour

Der Content Brainstorm darf ruhig (und ist so tatsächlich am produktivisten) unkonventionell ablaufen. Aus einem trockenen, angespannten Meeting mit Ideendruck wird selten was gutes entstehen. Auf neue Ideen kommt man, indem man sich im Netz so bewegt, wie es die Menschen, die Ihre Produkte haben wollen, auch tun. Tracking und Controlling ist hierfür sehr wichtig. Method Acting ist nicht nur in der Filmwelt zu Hause. Seien Sie die Persona, für die Sie Content erstellen. Bleiben Sie auf dem Laufenden. Dafür gibt es viele Helfer im Netz. Beispielsweise Alltop oder Quora, alle Social Media Kanäle usw. Das klingt zu zeitintensiv? Ist es nicht, wenn man strategisch vorgeht. Wir nehmen uns beispielsweise einen Tag pro Woche an dem wir frei recherchieren, wild surfen, alles aussaugen und sehen, was in der Welt so vor sich geht. Wer hungrig nach Zusammenhängen und Weltgeschehen ist, dem wird es ein Fest sein, sich voller Muse in diese digitalen Erkundungstouren zu stürzen. Content Marketing Manager sollten von Natur aus neugierige Geister sein.

So kompliziert ist es also im Grunde nicht, tolle Themen für Ihr E-Commerce Content Marketing zu finden. Das ist das Schöne am Content Marketing und einer der Gründe, warum ich es so mag: Es basiert auf Intuition und auf sehr menschlichen Fähigkeiten: Zuhören, aufeinander eingehen, Spass am Teilen, Spass an der Kommunikation und die ehrliche Bereitschaft voneinander zu lernen. In diesem Sinne:

Ein Hoch aufs E-Commerce Content Marketing!

"E-Commerce braucht Content - Content liebt E-Commerce. Verbinden Sie beides mit Styla. Gleich ausprobieren!"

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Anja Fordon

Geschrieben von Anja Fordon

Anja Fordon is Content Marketing Manager at Styla. She creates content marketing campaigns, writes articles about digital storytelling, social media and e-commerce, sharing her expertise on both German and English blogs at Styla. When she's not doing that, she enjoys throwing paint on canvas and reading loads of books.