Neil Patel ist Mitbegründer von Crazy Egg, Hello Bar und Kissmetrics. Er berät Unternehmen wie GM, NBC, eBay oder AIRBNB und schreibt regelmäßig Kolumnen für Inc.com, entrepreneur.com oder Content Marketing Institute. —  Auf jeden Fall ist er DER digitale Marketer des 21. Jahrhunderts, einer der wichtigsten Influencer im Internet und ein "Analytik-Junkie", wie er sich selbst bezeichnet. Wofür er aber am meisten bekannt ist (und geliebt wird), ist sein Ehrgeiz und Engagement, sein Wissen für alle zugänglich zu machen und zu teilen. So hilft er Brands (auch und vor allem kleinen) zu wachsen, Umsatz zu machen und aus den Kinderschuhen zu erwachsen.

Das könnten eigentlich bereits genug gute Gründe sein, um Neil zu interviewen. Aber ich persönlich hatte noch zwei weitere. Es gibt viele Content-Marketing-Blogs da draußen, aber seiner gehört zu den auserwählten, die ich regelmäßig lese. Warum? Ich bin Marketerin seit Jahren, ich habe viele Trends kommen und gehen gesehen. Ich will sicher sein, dass ich, wenn ich jemandem meine Zeit, Ressourcen und Unternehmensbudget opfere, auch mit Learnings belohnt werde, die ich im ROI sehen werde. Neil konzentriert sich auf KPIs und Analytics. Er versteht, dass Content-Marketing nicht ausschließlich dafür da ist, gut und glänzend auszusehen, sondern am Ende vor allem auch mit Traffic und Umsatz zu tun hat, wie auch jeder andere Marketing-Kanal.

Doch was war der zweite Grund? Ich hatte in meiner vorherigen Firma die Chance, eine seiner privaten Rede vor einigen Jahren zu hören, und ich erinnere mich noch, wie unglaublich beeindruckend es für mich war, das Neils Wissen über Optimierungen und Growth-Hacking Tricks schier unendlich zu sein schien. Und natürlich kann ich nicht genug darüber erfahren, wie Content-Anbieter im E-Commerce ihre Ergebnisse verbessern können.

Also: Yeah! Wir haben mit Neil über Content-Marketing-Strategien, KPIs und SEO gesprochen. Außerdem hat er uns verraten, was er aus dem Aufbau seiner Webseite neilpatel.com gelernt hat. So lesen, lernen und mit anderen teilen!

Lest, lernt und teilt! Wissen ist Macht.

Ula:  Neil! Wir haben uns vor einigen Jahren getroffen, als Du gerade dabei warst Kissmetrics und CrazyEgg aufzubauen. Soweit ich mich erinnern kann, warst Du damals auch bei der Entstehung von HelloBar und QuickSprout involviert. Was passiert heute bei Dir? Worauf fokussierst Du Dich momentan?

Neil: Im Moment: nur CrazyEgg und HelloBar. Bei Quick Sprout arbeiten wir gerade an einer neuen Software, also liegt das alles momentan eher auf dem Entwicklertisch. Und dann ist da selbstverständlich noch mein ganz privates Projekt, neilpatel.com, wo ich mein ganzes Wissen und alles was ich über Content Marketing und SEO gelernt habe an die Community weitergebe.

Ula: Viele Händler und Marken wissen heute, das Content Marketing “The Thing” ist - etwas das man unbedingt tun muss. Was sie dann normalerweise tun, ist einen Blog zu beginnen, ein oder zwei Artikel zu schreiben, vielleicht diese dann noch auf Facebook zu teilen um dann, wenn sich nicht sofort signifikante Ergebnisse einstellen, das ganze Projekt mit einem Schulterzucken einzustellen und zu sagen: “Funktioniert nicht!”

Neil: Content Marketing funktioniert auch nicht, wenn man es falsch macht. Es ist in jedem Fall keine “Über-Nacht-Erfolgsstory”. Man muss von Anfang an sicherstellen, dass man die Sache richtig angeht. Gerade am Anfang, wenn Du Artikel schreibst, dann verlinkst Du ziemlich oft zu anderen Artikeln und Quellen, richtig? Um die Zahl, die Du benutzt, zu untermauern oder Deine These zu stabilisieren, was auch immer. Wenn Du das tust, warum nicht diese Quellen darüber informieren, dass Du sie erwähnt hast? Schick eine E-Mail, nach dem Motto: “Hey Neil, ich bin ein Fan. Ich habe Dich verlinkt. Wenn Du magst, lies Dir doch mal unseren letzten Artikel durch.” Und das war’s! Du wirst merken, dass einige von ihnen Deinen Artikel teilen werden. Du kannst sogar noch weitergehen, und sagen P.S.: Falls Du den Artikel wirklich magst, freue ich mich riesig, wenn Du den Artikel teilst.” Solche Sachen funktionieren wirklich super!

Ula (lacht): Was sollten Marketer Deiner Meinung nach zu Beginn messen? Welche KPI’s sollten sie im Auge behalten?

Neil: Zuallererst Traffic! Wenn Du relevanten Traffic verzeichnen kannst, kannst Du einen Blick auf Conversions werfen. Das kann eine Mirco-Conversion sein wie eine E-Mail-Adresse oder ein Lead. Makro-Conversion könnte ein Verkauf, ein neuer Kunde oder ein Langzeitnutzen für den Kunden sein.

Ula: Jetzt, wo Du das erwähnst: Einer der größten Ziele im Content Marketing ist es, Traffic zum Online-Shop, Blog oder wohin auch immer zu generieren. Was ist der effektivste Weg, dieses Ziel zu erreichen? Ganz viel Content zu schreiben, weniger aber dafür besonders wertvollen Content zu produzieren oder sich auf eine besonders weite Distributionsstrategie zu fokussieren?

Neil: Content muss immer wertvoll für den Leser sein, da muss man unbedingt konsistent sein. Aber Distribution ist mindestens genauso wichtig: Verwende die Hälfte Deiner Zeit auf die Content-Erstellung und die andere Hälfte auf die Distribution. Ohne Distribution wirst Du nie erfolgreich sein.

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Ula: Wie oft sollte man etwas publizieren?

Neil: Ideal wäre mindestens ein Mal die Woche und wenn Du mehr Zeit hast, kannst Du die Frequenz getrost erhöhen.

Ula: Das finale Ziel ist es doch, Traffic in Conversion zu konvertieren — von Content-Lesern zu Kunden. Was würdest Du erfahrungsgemäß sagen, wie lange diese Reise durchschnittlich dauert? Oder anders gefragt: Wann beginnen Content-Marketing-Aktivitäten sich in der Regel auszuzahlen?

Neil: Hm, ich würde sagen mindestens 6 Monate kann das dauern, noch wahrscheinlicher ist ein Jahr.

Ula: Also muss man hier unbedingt langfristig denken?

Neil: Ja, absolut. Die meisten Leute werden noch länger brauchen, um Resultate zu sehen. Ich meine, ich kann einen Return of Investment schon nach 3 oder 6 Monaten generieren. Aber die meisten Leute machen es einfach falsch, sie sind zu ungeduldig. Sie probieren Content Marketing für ein, zwei Monate aus und geben dann schon auf. So läuft das nicht. Man muss unbedingt konsistent bleiben.

Nehmen wir ein Beispiel: Als ich mit meinem eigenen Projekt, neilpatel.com, begonnen habe, hatte ich das Ziel 100.000 Besucher jeden Monat auf meinen Blog zu bringen. Aber ich muss ehrlich sein: Am Anfang war ich ein bisschen faul. Ich war nicht mal so richtig heiß drauf, loszulegen. Im ersten Monat habe ich ein oder zwei Blogbeiträge veröffentlicht und selbst in den kommenden Monaten habe ich mich da nicht wirklich verbessert. Aber so nach drei, vier Monaten dachte ich, okay, was soll’s, versuch’s einfach. Vielleicht schaffst du’s in nur einem Jahr. Also habe ich mich reingehangen, habe begonnen 4 Posts jede Woche zu schreiben, und jeden davon um die 3,4,5 tausend Worte lang. Das hat funktioniert! Jetzt reduziere ich das ein bisschen. Auf ca. 2000 Worte pro Artikel, damit ich häufiger posten kann, bis zu 7 Mal die Woche.

Ula: Und welchen Traffic generierst Du damit momentan? Mehr als 180 000 Besucher, richtig?

Neil: Ganz genau. Aber es hat fast zwei Jahre gedauert. Jetzt wächst alles insgesamt schneller, logisch, weil es mittlerweile eine gut geölte Maschinerie ist. Aber ohne Geduld hätte ich das nie geschafft. Jetzt kann ich es mir erlauben, wirklich hochgesteckte Ziele zu haben. Ich plane, eine halbe Million Besucher bis zum Ende des Jahres auf meinen Blog zu lenken. Nächstes Jahr will ich die Millionen knacken. Wahrscheinlich wird mich das aber 2 Jahre kosten. Deswegen versuche ich gerade zu expandieren. Ich bin in Brasilien, in allen Spanisch-sprechenden Regionen, und ich plane in Deutschland, Frankreich und Italien präsent zu sein. Aber wie gesagt: Der Schlüssel zum Erfolg im Content Marketing ist Geduld.

Ula: Absolut, da stimme ich Dir zu! Lass uns über SEO sprechen: Wenn Content erstellt wird, darf man SEO-Maßnahmen nicht vergessen. Wie schafft man es, dass Content nicht nur inspirierend ist, sondern auch in den Suchergebnissen weit vorne liegt?

Neil: Integriere Dein Keyword in den Titel Deines Beitrags! Aber davon ganz abgesehen: Du wirst wahrscheinlich ganz intuitiv die richtigen Keywords in Deinen Text einarbeiten, wenn Dein Content wertvoll für seine Leserschaft ist, weil Du weißt, was sie brauchen. Viele Leute glauben, man muss sich unheimlich viel Kopf um SEO machen. Im Grunde muss man das nicht, wenn man guten Content produziert, weil SEO dann intuitiv eingewebt wird. Und aus technischer Seite kommen die meisten CMS-Systeme oder Content Marketing Plattformen, mit denen man arbeitet oder zum Bloggen nutzt, haben alles schon voreingestellt: von der URL-Struktur bis hin zu den Tags. Es geht eigentlich echt nur darum, wirklich guten Content zu schreiben.

Ula: Stimmt. Auch Styla ermöglicht die einfache SEO-Umsetzung. Übrigens, wo wir bei gerade bei Styla sind: Hast Du je von dem Shoppable-Content-Trend gehört? Pinterest hat kürzlich die “Buy Now” Buttons gelauncht, Instagram integriert ebenfalls ähnliche Optionen. Glaubst Du das hat Zukunft in der E-Commerce-Landschaft? Was wir hier bei Styla tun, ist die Leseerfahrung eines Print-Magazins in die Onlinewelt zu transformieren und diese ästhetischen Magazine dann durch die Integration von E-Commerce-Systemen shoppable zu machen. So kann man sich darauf konzentrieren, richtig gute Inhalte zu erstellen, die den Kunden dazu animieren zu klicken und zu kaufen.

Neil: Das ist großartig und bildet genau die Bedürfnisse unserer Zeit ab: Das Produkt bekommt eine Seele, eine Geschichte wird erzählt, das verbindet Dich emotional mit dem Produkt, Du magst es, Du kaufst es und Du zehrst länger von dieser Erfahrung. Das ist wirklich fabelhaft.

Ula: Vor allem wenn Deine Zielgruppe eher jung ist. Einige Studien sagen, dass die Generation Y von klassischer Werbung nichts mehr wissen will. Marken müssen ihre Zielgruppe viel näher erreichen, nicht mit unpersönlicher Anzeigenwerbung oder Ähnlichem.

Neil: Ja! Junge Leute ticken einfach anders. Wir denken alle, jeder geht auf Google, sucht was und kauft dann. Versteh mich nicht falsch, ich liebe Google wie verrückt. Aber die Kids sind nicht wie wir. Sie sind auf Pinterest unterwegs, sehen dort was, was sie mögen, und klicken direkt auf “Kaufen”. Die Dinge haben sich so sehr verändert in den letzten 10 Jahren. Snapchat zum Beispiel. Ich persönlich benutze es nicht, aber ich sehe, wie unheimlich machtvoll das ist. Ich verstehe das nicht so richtig, aber die Jugend liebt das. Also haben wir Marketer keine andere Wahl, als uns auch damit zu beschäftigen und diesen Trend sinnvoll zu übersetzen.

Ula: Du warst erst kürzlich in Deutschland. Was hast Du beobachten können? Siehst Du irgendwelche besonderen Herausforderungen für den deutschen Markt?

Neil: Definitiv! In Deutschland gibt es großes Potential, die Leute sind hungrig nach gutem Content und Aufklärung. Ich glaube aber auch, das viele Content Marketer einfach noch nicht genug guten Content erstellen.

Ula: Glaubst Du es ist für deutsche Unternehmen ausreichend, nur deutschen Content zu erstellen, oder sollten sie auch in Englisch publizieren?

Neil: Ich finde ganz generell: Fang mit einer Sache an! Beginne mit deutschem Content und wenn das gut läuft, kann man darüber nachdenken, ob man andere Sprachen dazu nimmt. Denn es ist anstrengend und teuer multilingualen Content zu produzieren.

Ula: Danke Neil. Das war ein tollen Gespräch!

Neil: Gern geschehen! Bis bald!

 

Neil Patel ist der Mitbegründer von Crazy Egg und Hallo Bar. Er unterstützt Unternehmen wie Amazon, NBC, GM, HP und Viacom dabei, ihre Umsätze zu steigern. Das Wall Street Journal kürte ihn zu einem der Top-Influencer im digitalen Zeitalter, das Forbes Magazin erkennt in ihm einen der Top-10-Online-Marketing Experten und das Entrepreneur Magazine feiert sein Unternehmen als eines der 100 brillantesten Unternehmen weltweit. Aber hier hören die Ehrungen noch nicht auf: Barack Obama ernannte Neil Patel als einen der Top 100 Unternehmern unter 30. Zudem gehört er offiziell zu den Top-100-Unternehmern, die die Vereinten Nationen nennen. Neil wurde sogar vom Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten geehrt.

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Ula Lachowicz

Geschrieben von Ula Lachowicz

Ula Lachowicz has been in the tech industry for a decade, taking care of marketing and communication for SaaS and B2B products. A strategic mind, she is a true visionary of our content commerce solution and is happy to see how it changes the way brands talk.